philora

kleine Alltagsphilosophie
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Ich bin umgezogen! Ab jetzt alles direkt auf http://www.philora.de

Naturunverträglichkeit

Endlich warm! Alle freuen sich und ich fühle mich wie ein Alien, weil ich mich nur verkriechen will. Denn der späte Frühling oder frühe Sommer attackiert mich auf übelste Weise. Wehren kann ich mich kaum, nicht einmal in geschlossenen Räumen bin ich sicher vor dem bösen Heuschnupfen. Da ist es häufig sogar am schlimmsten.Heuschnupfen, das klingt so harmlos. Da liegt ein bisschen Gras rum und du musst nießen. Wenn’s nur so wäre. Augen und Rachen brennen eigentlich dauerhaft, mein Gesicht fühlt sich geschwollen an, auch wenn man mir oft nicht ansatzweise ansieht, wie ich mich fühle. Die Nase läuft und kitzelt und ich kann mich kaum auf die Vorlesung konzentrieren.
Dabei hab ich schon so viel probiert. Verschiedene Tabletten gegen die Symptome, am Ende bin ich bei dem Verkaufsschlager „Ceterizin“ hängen geblieben – ist einfach am billigsten und macht „nur müde“. Die so umstrittene Desensibilisierung hab ich auch mitgemacht: Jeden Frühling einmal pro Woche zur Allergen-Injektion (mit anschließender halber Stunde Aufenthalt im Wartezimmer, um sicherzugehen dass ich nicht doch noch umkippe).
„Nach 3 Jahren sind etwa 80% der Allergiker Heuschnupfenfrei [1]“. Pusteblume. Bei mir ist nur das eingetreten, was man einen „Etagenwechsel“ nennt: Allergisches Asthma. Nicht anstelle der Augen-Nase-Mund-Symptome, zusätzlich. Na dann, Gesundheit!

Sommerwiese

 


[1] WDR-Sendung “Asthma durch Pollenallergie” vom 17. April 2013

 

Aufklärendes Lesen statt Zensur

Zensur oder Jugendschutz? Der „Negerkönig“ bei Pippi Langstrumpf wird zum „Südseeherrscher“ und die „Negerlein“ im Kinderbuch „die kleine Hexe“ werden zu „Messerwerfern“.

Die Befürworter der Umschreibung verweisen auf die besonderen Umstände von Kinderbüchern, bei denen andere Maßstäbe gelten müssten. Wie soll einem schwarzen Kind das Wort „Neger“ erklärt werden, ohne seine Gefühle zu verletzen? Mit der Zeit sei aber die Einsicht gewachsen, dass die Authentizität des Werks der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden muss, sagte der Chef des Thienemann-Verlags Klaus Willberg.

Die Kritiker berufen sich ihrerseits auf das Grundgesetz, in dem Zensur untersagt ist. Die politische Korrektheit sei unangebracht und lächerlich, hört man von mehreren Seiten.

Ich kann die Diskussion um die „bösen Wörter“ zwar verstehen, plädiere aber für ehrliche Auseinandersetzung statt heimlicher Umformulierung. Verschweigen ist nur dann eine Lösung, wenn man für sich selbst keine Erklärung finden kann.

In meiner Kindheit habe ich viele Bücher gelesen, in denen fremde Begriffe auftauchten – meistens habe ich nachgefragt und meistens bekam ich eine befriedigende Antwort. „Das hat man früher so gesagt, aber heute ist das eine Beleidigung.“ Wäre das keine Möglichkeit, die befremdenden Ausdrücke  zu erklären? Ich würde eine solche Vorlese-Situation dazu nutzen, um meinen Kindern die Entwicklung von Sprache zu erklären. Aufklärendes Lesen statt Zensur.

Die Debatte im Netz:
Die Welt
Spiegel Online
Oetinger Verlag

Aschermittwoch

Aschermittwoch. Da war doch was? Ich bin mir sicher, dass es vielen Menschen um diese Jahreszeit herum geht wie mir. Ach, eigentlich wollte ich doch auch mal fasten… Vielleicht nur so ein bisschen? Aber auf was? Lange durchgehalten habe ich zu meiner Beschämung leider nie. 40 Tage ohne Süßigkeiten? Der Horror. Nach spätestens anderthalb Wochen habe ich mir immer irgendeine Kleinigkeit gegönnt. Ich hatte es mir schließlich verdient.

Jetzt frage ich mich: Ist ein solcher absoluter Verzicht überhaupt notwendig? Laut Wikipedia bedeutet Der Begriff (fastan) im Gotischen soviel wie „(fest)halten, beobachten, bewachen“. Ich deute das als eine Zeit der bewussten Einschränkung meines alltäglichen Konsums. Wenn ich einfach alle Süßigkeiten weglasse, verzichte ich zwar auf etwas, aber meine sonstigen “Laster” werden davon nicht beeinflusst.

Ich habe mir daher für dieses Jahr vorgenommen, jeden Tag etwas zu tun, das mich Überwindung kostet. Und wenn es nur das Raustragen des Mülls bei eisiger Kälte bedeutet. Oder an der Dönerbude vorbei zu gehen. Oder eine halbe Stunde Sport zu machen.

Überwindung statt Verzicht – so kann ich mein Leben vielleicht bereichern statt ein Teil davon aufzugeben.

Zunge heraus strecken

Weekly Photo Challenge: Illumination

Bildschirmfoto 2013-01-11 um 18.44.22

An illuminated flower in Ireland – one of the first shots of mine that got me into photography. It was a sunny day, only the background is slightly edited. I love the different shades here, they add a mysterious character to the flower.

It reminds me of the dependency of mankind on light. And it’s influence is often underestimated. Especially at this time of the year when we crave for spring: Who doesn’t feel better on the first days of sunshine? Our mood often depends on light, on its intensity, its position and its colour (warm or cold).

Alles auf Null

Seit einigen Tagen schreiben wir ein neues Jahr: 2013, noch nie dagewesen – die Chance für einen Neuanfang. Und plötzlich ändert sich Vieles.

Die Adventszeit ist nun nicht mehr als eine verschwommene Erinnerung. Noch vor einem Monat lag die Verwirklichung meiner Ideen in ferner Zukunft. Im Dezember mache mir Gedanken um den Jetzt-Zustand, versuche mir Momente der Gemütlichkeit zu erkämpfen und sie zu genießen.

Und dann kommt der erste Januar. Mit einem Mal beschäftige ich mich nicht mehr mit den vergangenen Monaten, sondern schmiede echte Pläne. So viel Zeit liegt nun vor mir und ich will meine Ideen mit größerer Dringlichkeit umsetzen. Mein Zähler wurde wieder auf Null geschaltet. Ob es vielen anderen genauso geht? Ich habe dieses Phänomen schon mehrfach an mir beobachtet. Im Dezember 2011 hatte ich noch keine Ahnung, was das nächste Jahr bringen würde. Ende Januar 2012 stand bereits ein Umzug und ein neues Studium fest.

Dabei fühle ich mich jetzt nicht energiegeladener als noch im Dezember. Nicht mein Köper, nein, vielmehr mein Geist ist aufgeweckter als zum Ende des Jahres hin. Diese Unruhe bewirkt allerdings nicht nur positive Änderungen, sondern kann auch ein Grund für Unzufriedenheit sein.

Warum hat der Kalender soviel Einfluss auf meine Pläne? Und wie kann ich davon auch im November und Dezember profitieren? Vielleicht muss ich kleinspuriger denken – nicht von Januar bis Dezember, sondern vom ersten bis zum letzten Tag eines Monats. Oder einer Woche. Jedenfalls glaube ich nicht, dass ich montags mehr Vorsätze angehe als sonntags. Vielleicht kann ich mir angewöhnen, die Januar-Pläne nicht überzubewerten und die Dezember-Ideen ernster zu nehmen.

Goats - Ziegen

Weihnachten – eine Kurzgeschichte

Meine Glieder sind so schwer, ich mag mich kaum noch rühren. Die Fenster beschlagen, alles um mich herum scheint zu verschwimmen. Interessiert mich auch nicht.
Ist es nicht kalt hier? Ich fröstele leicht, meine Finger beginnen zu zittern. Stoßen wohl gegen das Glas, das einsam vor mir steht; etwas läuft über meine Hände. Ich nehme es kaum wahr.
Zeit zerrinnt zwischen meinen Fingern. Zeit, die es selten gut mit mir gemeint hat.
Zeit zu gehen.
Vorsichtig versuche ich aufzustehen, doch leichter Schwindel erfasst mich und ich ergreife meines Nachbarn Hand, der mit ferner, dumpfklingender Stimme auf mich einredet. Ich verstehe nichts von dem, was er mir sagen will, will nichts mehr hören.
Meine Augen klappen nur noch zu, will nichts mehr sehen. Habe genug von der abendlichen Gesellschaft. Sehne mich… Nach meinem Bett. So weich und verlockend… so weit entfernt.

Heute ist das, was man Weihnachten nennt. Für mich ist es nur ein weiterer Tag im Jahr, ein weiterer Tag ohne Freude, ohne Abwechslung, ohne ein nettes Wort. Der Weg nach hause ist mir wohl bekannt, zum Glück, sonst würde ich mich sicherlich verirren. Die Arme um meinen Körper geschlungen, vor Kälte schlotternd und die Augen gesenkt, gehe ich den vielen Spuren im Schnee nach. Die Straßenlaternen werfen ein warmes orangfarbenes Licht auf den Bürgersteig, doch ich friere immernoch. Das Licht erreicht mich nicht, mein Herz bleibt kalt. Lässt im Gegensatz zu meinem Mantel nichts von der Welt da draußen durch.
Wäre ich nicht so furchtbar müde, würde ich mich wieder fragen, was das Leben für einen Sinn hat. Warum es mich überhaupt noch gibt. So bleibt mir nur der Gedanke an mein Bett… Würde mich jemand fragen, was mir das liebste auf der Welt sei, ich würde ihm antworten: „Mein Bett.“ Aber mich fragt ja keiner.
Als ich die letzte Biegung überwunden habe, überkommt mich wieder dieser seltsame Schwindel. Mit Mühe halte ich mich an der eiskalten Hauswand fest, meine Finger tasten wie im Fieber nach dem Lichtschalter. Ich schließe die Tür auf, gehe den Gang entlang, am Ende die steile Treppe  nach oben. Stufe nach Stufe nach Stufe. Mein Zimmer liegt direkt unter dem Dach.
Schon als ich die Wohnungstür öffne, fällt mir die Veränderung auf. Der Geruch… es duftet nach Zimt, Korriander und süßem Honig. Und so warm… die Heizung habe ich ausgemacht, um Strom zu sparen. Verträumt setze ich einen Fuß über die Schwelle. Und den zweiten. Ich fühle mich wie in einer anderen Welt. So viel Helligkeit… Ein Engel sitzt auf meinem Bett. Verwundert reibe ich mir die Augen. Der Engel ist verschwunden. Das Licht jedoch ist geblieben, hüllt mich in eine  liebkosende Decke ein. Mir ist jetzt so warm, dass ich meinen alten Mantel ausziehe und näher ans Bett trete. „Es stimmt“, flüstere ich, „du bist wirklich mein bester Freund.“
Die weichen Federn empfangen mich mit Freude, sofort weigern sich meine Augenlider, noch weiter offen zu bleiben und mein ganzer Körper sinkt in die Tiefe. Mein Geist mit ihm. Was übrig bleibt, ist ein leichter Duft von Zimt und Korriander. Weihnachten.

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Thanx for the info, liebe Mayas…

Warum für die Mayas das Ende einer Ära auf den 21. Dezember 2012 fallen musste? 3 Möglichkeiten:

1) Sie wussten, dass die Menschen im 21. Jahrhundert total auf einen Weltuntergang abfahren. Dass wir den Wirtschaftsaufschwung, den so eine Ankündigung verursacht, gut gebrauchen können. Und nebenbei wollten die Mayas wahrscheinlich ein bisschen Selbst-PR betreiben – nach 5.128 Jahren droht so ein altes Völkchen doch ein wenig in Vergessenheit zu geraten.

2) Sie wussten, dass etwas Außergewöhnliches passieren würde. Wenn nicht an dem Tag selbst, dann vielleicht als Entwicklung in den darauf folgenden Jahren. Und auch ich glaube fest daran, dass in den nächsten 5.128 Jahren ein neues Zeitalter anbrechen wird. Und hey, vielleicht wird’s ja sogar eine positive Änderung! Daran schonmal gedacht, ihr Pessimisten?

3) Sie wussten, dass nur etwas passieren würde, wenn sie die Menschen in Panik versetzen. Wenn man sich die ganzen Hamsterkäufe und Bunkerbauten so ansieht, frage ich mich allerdings sehr, ob diese Panik zu etwas Gutem führt. Außer dass es 9 Monate später einen Babyboom geben wird, einige Leute pleite sind und wieder andere einen netten Gewinn aus der Sache geschlagen haben?

Also bitte, fürchtet euch vor der Zombie-Invasion oder dem irdischen Fegefeuer – die Mayas werden sich schon etwas dabei gedacht haben. So wie die Medien, die uns überhaupt erst davon erzählt haben.

Sunset

Weekly Photo Challenge: Changing Seasons

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I took these photos some weeks ago, on the day of the first snowfall this winter. Autumn is still there and the colour-explosion of the leaves fights the white cold. The little deck-chair looks lost now. But it will only hibernate a few months until spring recovers.

As I am not a fan of extremes, I prefer autumn and spring to winter or summer. My perfect weather is not suitable for bathing nor skiing. It’s the in-between-seasons I love.

Ode an die Freundschaft

Freundschaft trumpft Liebe, trumpft Familie.

Was nützt mir ein Partner, der mir nicht vertraut? Der nicht ehrlich zu mir sein kann, weil seine Liebe zu groß ist? Wahre Liebe sollte Freundschaft voraussetzen. Dieser Meinung war ich schon immer. Auch wenn es unromantisch klingt: Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick. Was man auf den ersten Blick so verspüren kann, wird nur zu oft mit Liebe verwechselt.

Und nicht nur für die Liebe gilt dieses Prinzip. Familie gilt auch erst durch Freundschaft. So modern sollten wir heute sein – ohne Freundschaft ist Familie im besten Falle nur noch Verpflichtung.

Bildschirmfoto 2012-12-11 um 21.23.52

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