philora

kleine Alltagsphilosophie

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Alles auf Null

Seit einigen Tagen schreiben wir ein neues Jahr: 2013, noch nie dagewesen – die Chance für einen Neuanfang. Und plötzlich ändert sich Vieles.

Die Adventszeit ist nun nicht mehr als eine verschwommene Erinnerung. Noch vor einem Monat lag die Verwirklichung meiner Ideen in ferner Zukunft. Im Dezember mache mir Gedanken um den Jetzt-Zustand, versuche mir Momente der Gemütlichkeit zu erkämpfen und sie zu genießen.

Und dann kommt der erste Januar. Mit einem Mal beschäftige ich mich nicht mehr mit den vergangenen Monaten, sondern schmiede echte Pläne. So viel Zeit liegt nun vor mir und ich will meine Ideen mit größerer Dringlichkeit umsetzen. Mein Zähler wurde wieder auf Null geschaltet. Ob es vielen anderen genauso geht? Ich habe dieses Phänomen schon mehrfach an mir beobachtet. Im Dezember 2011 hatte ich noch keine Ahnung, was das nächste Jahr bringen würde. Ende Januar 2012 stand bereits ein Umzug und ein neues Studium fest.

Dabei fühle ich mich jetzt nicht energiegeladener als noch im Dezember. Nicht mein Köper, nein, vielmehr mein Geist ist aufgeweckter als zum Ende des Jahres hin. Diese Unruhe bewirkt allerdings nicht nur positive Änderungen, sondern kann auch ein Grund für Unzufriedenheit sein.

Warum hat der Kalender soviel Einfluss auf meine Pläne? Und wie kann ich davon auch im November und Dezember profitieren? Vielleicht muss ich kleinspuriger denken – nicht von Januar bis Dezember, sondern vom ersten bis zum letzten Tag eines Monats. Oder einer Woche. Jedenfalls glaube ich nicht, dass ich montags mehr Vorsätze angehe als sonntags. Vielleicht kann ich mir angewöhnen, die Januar-Pläne nicht überzubewerten und die Dezember-Ideen ernster zu nehmen.

Goats - Ziegen

Weihnachten – eine Kurzgeschichte

Meine Glieder sind so schwer, ich mag mich kaum noch rühren. Die Fenster beschlagen, alles um mich herum scheint zu verschwimmen. Interessiert mich auch nicht.
Ist es nicht kalt hier? Ich fröstele leicht, meine Finger beginnen zu zittern. Stoßen wohl gegen das Glas, das einsam vor mir steht; etwas läuft über meine Hände. Ich nehme es kaum wahr.
Zeit zerrinnt zwischen meinen Fingern. Zeit, die es selten gut mit mir gemeint hat.
Zeit zu gehen.
Vorsichtig versuche ich aufzustehen, doch leichter Schwindel erfasst mich und ich ergreife meines Nachbarn Hand, der mit ferner, dumpfklingender Stimme auf mich einredet. Ich verstehe nichts von dem, was er mir sagen will, will nichts mehr hören.
Meine Augen klappen nur noch zu, will nichts mehr sehen. Habe genug von der abendlichen Gesellschaft. Sehne mich… Nach meinem Bett. So weich und verlockend… so weit entfernt.

Heute ist das, was man Weihnachten nennt. Für mich ist es nur ein weiterer Tag im Jahr, ein weiterer Tag ohne Freude, ohne Abwechslung, ohne ein nettes Wort. Der Weg nach hause ist mir wohl bekannt, zum Glück, sonst würde ich mich sicherlich verirren. Die Arme um meinen Körper geschlungen, vor Kälte schlotternd und die Augen gesenkt, gehe ich den vielen Spuren im Schnee nach. Die Straßenlaternen werfen ein warmes orangfarbenes Licht auf den Bürgersteig, doch ich friere immernoch. Das Licht erreicht mich nicht, mein Herz bleibt kalt. Lässt im Gegensatz zu meinem Mantel nichts von der Welt da draußen durch.
Wäre ich nicht so furchtbar müde, würde ich mich wieder fragen, was das Leben für einen Sinn hat. Warum es mich überhaupt noch gibt. So bleibt mir nur der Gedanke an mein Bett… Würde mich jemand fragen, was mir das liebste auf der Welt sei, ich würde ihm antworten: „Mein Bett.“ Aber mich fragt ja keiner.
Als ich die letzte Biegung überwunden habe, überkommt mich wieder dieser seltsame Schwindel. Mit Mühe halte ich mich an der eiskalten Hauswand fest, meine Finger tasten wie im Fieber nach dem Lichtschalter. Ich schließe die Tür auf, gehe den Gang entlang, am Ende die steile Treppe  nach oben. Stufe nach Stufe nach Stufe. Mein Zimmer liegt direkt unter dem Dach.
Schon als ich die Wohnungstür öffne, fällt mir die Veränderung auf. Der Geruch… es duftet nach Zimt, Korriander und süßem Honig. Und so warm… die Heizung habe ich ausgemacht, um Strom zu sparen. Verträumt setze ich einen Fuß über die Schwelle. Und den zweiten. Ich fühle mich wie in einer anderen Welt. So viel Helligkeit… Ein Engel sitzt auf meinem Bett. Verwundert reibe ich mir die Augen. Der Engel ist verschwunden. Das Licht jedoch ist geblieben, hüllt mich in eine  liebkosende Decke ein. Mir ist jetzt so warm, dass ich meinen alten Mantel ausziehe und näher ans Bett trete. „Es stimmt“, flüstere ich, „du bist wirklich mein bester Freund.“
Die weichen Federn empfangen mich mit Freude, sofort weigern sich meine Augenlider, noch weiter offen zu bleiben und mein ganzer Körper sinkt in die Tiefe. Mein Geist mit ihm. Was übrig bleibt, ist ein leichter Duft von Zimt und Korriander. Weihnachten.

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Weekly Photo Challenge: Changing Seasons

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I took these photos some weeks ago, on the day of the first snowfall this winter. Autumn is still there and the colour-explosion of the leaves fights the white cold. The little deck-chair looks lost now. But it will only hibernate a few months until spring recovers.

As I am not a fan of extremes, I prefer autumn and spring to winter or summer. My perfect weather is not suitable for bathing nor skiing. It’s the in-between-seasons I love.

Ode an die Freundschaft

Freundschaft trumpft Liebe, trumpft Familie.

Was nützt mir ein Partner, der mir nicht vertraut? Der nicht ehrlich zu mir sein kann, weil seine Liebe zu groß ist? Wahre Liebe sollte Freundschaft voraussetzen. Dieser Meinung war ich schon immer. Auch wenn es unromantisch klingt: Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick. Was man auf den ersten Blick so verspüren kann, wird nur zu oft mit Liebe verwechselt.

Und nicht nur für die Liebe gilt dieses Prinzip. Familie gilt auch erst durch Freundschaft. So modern sollten wir heute sein – ohne Freundschaft ist Familie im besten Falle nur noch Verpflichtung.

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Über die Sprache

„Du schreibst ja auf Englisch!“ Oh. Das stimmt, meine letzten Beiträge sind englisch gewesen. Die davor allerdings komplett auf deutsch geschrieben. Ich fürchte, ich muss mich entscheiden – oder? 

Ich liebe Sprachen. Mit 16 war ich drei Monate in Frankreich, mit 20 ein halbes Jahr in Irland. Jetzt lerne ich noch Spanisch. Zusammen mit den Italienisch- und Lateinbrocken in meinem Hirn wird das langsam zu einer echten Konzentrationsaufgabe. Die Sprachen verschwimmen ineinander. Was kann ich also tun? Wahrscheinlich hilft bewusstes Reflektieren und vor allem Übung. 

Um hier nicht die wenigen Leser zu vergraulen, die sich überhaupt für meine Themen interessieren, muss ich mir wohl eine Lösung ausdenken. Kann ich weiterhin englische und deutsche Artikel schreiben? Auch wenn es wahrscheinlich taktisch unklug ist, möchte ich eigentlich nicht darauf verzichten. 

Sprache soll doch dazu dienen, Kommunikation zu vereinfachen, und möglichst viele Menschen zu erreichen. Im Internet gibt es aber keine sprachlichen Grenzen. Ich schreibe hier auf einer internationalen Domain (.com), doch die meisten meiner Leser sind Deutsche. 

– Ich befinde mich sozusagen mit einer kleinen Touristengruppe irgendwo im Ausland und muss mich entscheiden, ob ich meine Erzählungen auch die umstehenden Bewohner erreichen sollen.

Und so kann ich zum Schluss nur dazu aufrufen, sich bei mir nicht durch die Sprache entmutigen zu lassen. Ich schreibe immer in der Sprache, in der ich gerade denke und bei manchen Themen (wie der weekly photo challenge) ist das eben englisch. 

Thank you for reading und hoffentlich Au revoir. (statt des Fotos gibts heute mal ein passendes gif von mir – mein embarassdance!)

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How to explain

I tried to compare my love for you
with a thousand red roses
and failed. 

I tried to compare my love for you
with the sweetest chocolate
and failed.

I tried to compare my love for you
with the wild wide ocean
and failed. 

I reasoned all night
went tired
went crazy
to finally realize
that love cannot be measured.

 

It’s a non-optional social convention

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Alle sprechen von Freiheit. Von Individualität. Manchmal scheint die Vorstellung von diesen zugegeben höchst anspruchsvollen Werten allerdings ziemlich von meiner eigenen abzuweichen. Um es mit Sheldon’s Worten zu sagen: They’re having fun wrong.

Das muss man schonmal machen. Muss man wirklich? Muss ich „feiern“, wenn ich dabei keinen Spaß habe? Muss ich Filme anschauen, die mich nicht ansprechen? Muss ich Bier trinken, um ein echter Mann zu sein? Da fangen die Klischees schon an. Aber wo bei einigen Stereotypen ganz klar ist, dass es sich um ein nicht ganz sauberes Gesellschaftsbild handelt, ist bei anderen noch ziemlicher Nachdenkbedarf. 

 

 

Warum ich das Tanzen so liebe

Immer wieder mache ich mir Gedanken über das Glück. Nicht über chance oder luck, also 6 Richtige im Lotto zu haben oder im Regen einen Schirm bei sich zu tragen. Sondern über happiness. Wie erreiche ich den Zustand puren Glücksgefühls, absoluter Zufriedenheit mit sich und seinem Leben?

Meine Antwort heißt: Gleichgewicht. Überall hört man von Ying und Yang, von einer inneren Ausgeglichenheit oder inneren Ruhe. Für mich reicht es dabei nicht, zu meditieren. Körper und Geist müssen beide sowohl gefordert (aktiv) als auch bewusst wahrgenommen werden (passiv). Diese vier Komponenten machen für mich das Grundrezept für Happiness aus.

Denken und Erleben, Sport machen und Wellness genießen.

Beim (Gesellschafts-)Tanzen ist das Glücksgefühl deshalb auch besonders hoch. Ich muss mich gleichzeitig auf die Schritte konzentrieren, strenge meinen ganzen Körper an und genieße die Nähe zur anderen Person.

Mädchen springt über Brunnen

„Die Wahrheit über sich selbst ist dem Menschen zumutbar“

… S.225, Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier.

Das Buch hat mich von den ersten Seiten an gefesselt. Es war ein Geburtstagsgeschenk von einer sehr guten Freundin – ein bereits gelesenes Buch, das per Paket aus Kanada zu mir nach Irland fand. Und es war genau das, was ich gebraucht hatte. Abtauchen in eine andere Welt, die nichts mit Phantasy oder Science Fiction zu tun hat. Durch dieses Buch bin ich zur Philosophie gekommen.

Die Wahrheit über sich selbst ist dem Menschen zumutbar.

Ein Satz, der meine Gefühle bestens beschreibt. Ob durch die Philosophie, durch die Psychologie oder die Biologie – ich möchte mich kennen. Und ich möchte andere dazu anregen, sich auch kennen zu lernen.

Denn wer sich selbst zu kennen glaubt, der hat sich nicht genügend erforscht. Oder, um diesen Sinneserguss mit einem weiteren Zitat von Pascal Mercier zu schließen:

“ [die Eitelkeit] ist eine verkannte Form von Dummheit. Man muß die kosmische Bedeutungslosigkeit unseres gesamten Tuns vergessen, um eitel sein zu können, und das ist eine krasse Form von Dummheit“.

Schneeee… ja! Nein! Doch wirklich?

 

Jedes Jahr um diese Uhrzeit die gleichen Reaktionen in Facebook, Twitter & Co: „Es schneit?! Kann das denn sein? Ja doch, guck, echter Schnee da draußen!“

Faszinierenderweise ist das Gesprächsthema Wetter nicht nur unsterblich, sondern auch mit einem zwanghaften Hinweisdrang verbunden. Und das ist eine wertfreie Feststellung, ich mach es ja auch. Man stelle sich eine Gruppe Menschen vor, die an einem regnerischen Tag aus dem Haus geht – es ist immer einer dabei, der feststellt: „Es regnet“. Dabei spielt es keine Rolle, dass die anderen das Wasser, das da von oben kommt, nicht auch selbstständig als Regen erkannt haben.

Und obwohl der Mitteilungsdrang wahrscheinlich so alt ist wie die Menschen selbst, bietet das Web 2.0 hier doch ganz neue Möglichkeiten. Nie konnte man so viele Menschen auf so viele verschiedene Weisen auf das aktuelle Wetter hinweisen. Dafür ist es gerade im Internet erst ansatzweise sinnvoll, anderen vom Schnee, Regen oder sonstigen Ergüssen zu erzählen: Jetzt erfährt auch der letzte Nordrhein-Westfale, dass es in Dresden schon fast wieder aufgehört hat zu regnen.