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kleine Alltagsphilosophie

Tag: Sprache

Aufklärendes Lesen statt Zensur

Zensur oder Jugendschutz? Der „Negerkönig“ bei Pippi Langstrumpf wird zum „Südseeherrscher“ und die „Negerlein“ im Kinderbuch „die kleine Hexe“ werden zu „Messerwerfern“.

Die Befürworter der Umschreibung verweisen auf die besonderen Umstände von Kinderbüchern, bei denen andere Maßstäbe gelten müssten. Wie soll einem schwarzen Kind das Wort „Neger“ erklärt werden, ohne seine Gefühle zu verletzen? Mit der Zeit sei aber die Einsicht gewachsen, dass die Authentizität des Werks der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden muss, sagte der Chef des Thienemann-Verlags Klaus Willberg.

Die Kritiker berufen sich ihrerseits auf das Grundgesetz, in dem Zensur untersagt ist. Die politische Korrektheit sei unangebracht und lächerlich, hört man von mehreren Seiten.

Ich kann die Diskussion um die „bösen Wörter“ zwar verstehen, plädiere aber für ehrliche Auseinandersetzung statt heimlicher Umformulierung. Verschweigen ist nur dann eine Lösung, wenn man für sich selbst keine Erklärung finden kann.

In meiner Kindheit habe ich viele Bücher gelesen, in denen fremde Begriffe auftauchten – meistens habe ich nachgefragt und meistens bekam ich eine befriedigende Antwort. „Das hat man früher so gesagt, aber heute ist das eine Beleidigung.“ Wäre das keine Möglichkeit, die befremdenden Ausdrücke  zu erklären? Ich würde eine solche Vorlese-Situation dazu nutzen, um meinen Kindern die Entwicklung von Sprache zu erklären. Aufklärendes Lesen statt Zensur.

Die Debatte im Netz:
Die Welt
Spiegel Online
Oetinger Verlag

Über die Sprache

„Du schreibst ja auf Englisch!“ Oh. Das stimmt, meine letzten Beiträge sind englisch gewesen. Die davor allerdings komplett auf deutsch geschrieben. Ich fürchte, ich muss mich entscheiden – oder? 

Ich liebe Sprachen. Mit 16 war ich drei Monate in Frankreich, mit 20 ein halbes Jahr in Irland. Jetzt lerne ich noch Spanisch. Zusammen mit den Italienisch- und Lateinbrocken in meinem Hirn wird das langsam zu einer echten Konzentrationsaufgabe. Die Sprachen verschwimmen ineinander. Was kann ich also tun? Wahrscheinlich hilft bewusstes Reflektieren und vor allem Übung. 

Um hier nicht die wenigen Leser zu vergraulen, die sich überhaupt für meine Themen interessieren, muss ich mir wohl eine Lösung ausdenken. Kann ich weiterhin englische und deutsche Artikel schreiben? Auch wenn es wahrscheinlich taktisch unklug ist, möchte ich eigentlich nicht darauf verzichten. 

Sprache soll doch dazu dienen, Kommunikation zu vereinfachen, und möglichst viele Menschen zu erreichen. Im Internet gibt es aber keine sprachlichen Grenzen. Ich schreibe hier auf einer internationalen Domain (.com), doch die meisten meiner Leser sind Deutsche. 

– Ich befinde mich sozusagen mit einer kleinen Touristengruppe irgendwo im Ausland und muss mich entscheiden, ob ich meine Erzählungen auch die umstehenden Bewohner erreichen sollen.

Und so kann ich zum Schluss nur dazu aufrufen, sich bei mir nicht durch die Sprache entmutigen zu lassen. Ich schreibe immer in der Sprache, in der ich gerade denke und bei manchen Themen (wie der weekly photo challenge) ist das eben englisch. 

Thank you for reading und hoffentlich Au revoir. (statt des Fotos gibts heute mal ein passendes gif von mir – mein embarassdance!)

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